Piet Mondrian (1872 - 1944)

  • Abstrakte Kunst / Konkrete Kunst / Neoplastizismus
  • Begründer der Stijl-Gruppe und des Neoplastizimus
  • geboren 1872 in Amersfoot, Niederlande – gestorben 1944 in New York
  • Hauptmotiv: konsequent gegenstandslose Bilder mit rechtwinkligen Linien und Flächen
  • Werke: Composition with Yellow, Red, and Blue (1921); Broadway-Boogie Woogie (1942-43)

“Der wahrhaft abstrakte Künstler empfindet bewußt in der Berührung der Schönheit die Abstraktion, der weiß genau, daß Schönheit immer universell ist. Dieses bewußte Erkennen hat die abstrakte Kunst zur Folge, denn der Mensch strebt stets nach dem Universellen.“ Piet Mondrian in der Einleitung zu „Die neue Plastik in der Malerei“
(Knaurs Lexikion S. 110)

Fast jedem sind heute die geometrischen rot, gelb, blauen, weiß, von schwarzen Linien durchzogenen Bilder von Mondrian bekannt. Kaum vorstellbar, dass es diese Bilder – deren Farben- und Formensprache geradezu ein Alltagsmotiv geworden ist - vor knapp hundert Jahren noch gar nicht gab. Faszinierend dabei, ist nicht nur die Kunst eines Mondrian, fast noch fesselnder ist die Geschichte, die davon erzählt, wie diese Bilder entstehen konnten. 

Piet Mondrian – sein Leben

Geboren wurde der Pieter Cornelis Mondrian am 7. März 1872 in den Niederlanden in Amersfoot. Sein Vater, Pieter Cornelis, war ein strenggläubiger Calvinist, Direktor der reformierten Gemeindeschule und zugleich Mondrians erster Zeichenlehrer. Die Dominanz des Vaters soll sehr groß gewesen sein und auch den erwachsen gewordenen Piet noch geprägt haben. Dessen Verhältnis zum Vater wiederum von strenger Antipathie geprägt gewesen sein soll. Später behauptet Mondrian, der Tod seines Vaters hätte ihm nichts ausgemacht. An der Beerdigung im Jahre 1921 nimmt er nicht teil, auch beim Begräbnis seiner Mutter, im Jahre 1909, war der Künstler nicht anwesend – er ist mit der Vorbereitung einer Ausstellung beschäftigt. 

Der frühe Mondrian – Haager Schule - Landschaftsmalerei

Scheinbar waren das streng calvinistische Umfeld – und die Wertvorstellungen des Vaters prägend für die Künstler. Davon zeugen die frühen Werke des Künstlers, wie beispielsweise Illustrationen für eine Märtyrerlegendensammlung und die Entwürfe Mondrians für die geschnitzte Kanzel einer Amsterdamer Schule. Zwar behauptet Mondrian später, er hätte eigentlich Pfarrer oder Dirigent werden wollen, aber schon früh deutet alles auf eine Karriere als Maler hin. Illustrationen werden unter der Regie seines Vaters gefertigt, ein Onkel erteilt Malunterricht und später erwirbt Piet Mondrian Zeichenlehrerdiplome der Amsterdamer Rijksakademie, die er von 1892 bis 1894 besucht. Eigenartigerweise hebt der Künstler, der sich ansonsten so schnell von allem trennte, diese Diplome bis zum Ende seines Lebens auf. Schon zum Studienabschluss, mittlerweile arbeitet er als Kunstlehrer, kann Mondrian erstmals eine eigene Ausstellung bestücken. Es handelt sich dabei um Landschaftsbilder, vorwiegend in der tonigen Farbigkeit der Haager Schule, deren bevorzugtes Motiv die karge niederländische Küstenlandschaft und ihre Bewohner waren. Zu Mondrians bekanntesten Bildern aus dieser Zeit zählen die >>Bäume am Gein<< (um 1905), >>Windmühle << (um 1906), >>das Bauernhaus am Wasser<< und >>Bauernhaus Geinrust mit zwei Kühen am Ufer<<. Ab ungefähr 1908, Mondrian hält sich jetzt in Domburg auf, verändern sich seine Bilder, hin zu mehr Farbigkeit und Symbolismus. Auf Gemälden wie dem >>Leuchtturm in Westkapelle<< und der >>Windmühle im Sonnenlicht<< (1908, 1909) machen sich Einflüsse der Nachimpressionisten wie beispielsweise von Gogh bemerkbar, aber auch Einflüsse der Fauvisten, zu denen ein Matisse zählt. Interessant: Der niederländische Kubismus wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorwiegend als symbolische Kunst verstanden, die ewige, universelle Werte auszudrücken vermag. Es deutet sich schon an, Mondrian selbst war zu dieser Zeit nicht nur Maler, sondern auch das, was er Zeit seines Lebens blieb, eine großer Theoretiker und Denker. In seinen frühen Jahren setzte er sich vorwiegend mit Theosophie und Mystik auseinander, eine Tatsache, die sicher seiner calvinistischen Erziehung geschuldet war. 

Der kubistische Mondrian - Umzug nach Paris –

Vom 6. Oktober bis zum 5. November 1911 wurde im Amsterdamer Stedelijk Museum die erste Ausstellung moderner Kunst gezeigt. Mondrian sah erstmals die Originale der französischen Avantgarde – und war beeindruckt, wenngleich dass an dieser Stelle nicht bedeuten soll, dass Mondrian nicht schon zuvor Zugang zu den Werken der französischen Künstler, vor allem zum Kubismus, hatte. Kurz darauf zog der Maler nach Paris, änderte dort erst seinen Namen in Piet Mondrian und ließ sich im Studio von Kickert in der Rue du Dèpart 26 in Montparnasse nieder. In Paris – im Jahre 1911beginnt Mondrians kubistische Phase, die bis ungefähr 1914 andauert. In dieser Zeit gelangt der Künstler zu einer extremen Vereinfachung seiner Bilder, die ab 1914 in den minimalistischen >>+ und -<< Bildern gipfelt. Durch den Rhythmus seiner Bilder wurde Mondrian prägend für den Kubismus. Nachdem Mondrian 1914 am XXX. Salon des Indèpendants teilgenommen hat, kehrt er im Juli nach Holland zurück. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hindert ihn an einer Rückkehr nach Paris. Für sein Pariser Atelier zahlt Mondrian den ganzen Krieg über die Miete. 

Der neoplastizistische Mondrian - Der >>Stijl<< – Rückkehr nach Paris

«Die «Kunstkultur», die zur reinsten und wirklichsten Darstellung des eigentlichen der Kunst hinleitet, musste zwangsweise zur Kunst «ohne Objekte» führen. Die Gestaltungselemente, die diese Kunst benützt, können wir «neutral» nennen, da sie keinen einschränkenden Charakter haben. Die geometrischen Formen können wir dazuzählen wegen ihres universellen Ausdrucks. Die äusserste Konsequenz der Beseitigung individualistischer Formen sind einander rechtwinklig schneidende Linien; denn das horizontale und vertikale Durchschneiden der Linien ergibt immer Rechtecke.»
(Piet Mondrian, Kunst ohne Objekte, 1938 aus: Tavel, Hans Christoph von S. 11 /12)

Aus praktischen Gründen während des Krieges in Holland festsitzend, lässt Mondrian die Zeit jedoch nicht ungenutzt verstreichen. Er lernt den Philosophen und Theosophen M. H. J. Schoenmaeker kennen. Dieser bestätigt Mondrians Vorstellung, von der Suche der Kunst nach universellen Symbolen. Dem Künstler geht es nun um die Darstellung der universalen, der absoluten Schönheit. Als Ausdrucksmittel dafür begreift der denkende Maler die Abstraktion. Mondrian wird endgültig zum abstrakten Maler. Im Jahr 1915 macht Mondrian zudem Bekanntschaft mit dem Künstler und Schriftsteller Theo van Doesburg. Im Oktober 1917 erscheint dann die erste Ausgabe von >>de Stijl<<, zu deren Begründer neben Doesburg und Piet Mondrian auch Bart von der Leck, Georges Vantongerloo, Volmos Huszar, der Architekt J. J. P. Oud, Robert van`t Hoff, Jean Wils und der Dichter Antoine Kok gehören. Mit Herausgabe der Zeitschrift beginnt die Periode des Neoplastizismus und >>de Stijl<< ist die theoretische Plattform dieser abstrakten Kunstform. Im Jahre 1920, seit dem Ende des Krieges wieder in Paris lebend, veröffentlicht Mondrian selbst ein Werk zum Neoplastizismus – die Schrift „Le Nèo-Plasticisme“, die im Jahr 1925 unter dem Titel >>Neue Gestaltung<< von >>Bauhaus<< in Weimar in deutscher Übersetzung herausgebracht wird. Seit 1920 malt Mondrian aus farbigen Rechtecken mit schwarzen Konturen aufgebaute Bilder. Ab 1921 reduziert er diese Bilder auf die Primärfarben sowie Schwarz, Grau und Weiß. Horizontalen und Vertikalen bestimmen die Komposition. In den folgenden Jahren wird dieser Stil mit immer größerer Reinheit ausgeführt. Die Reinheit des Stijl war Mondrian derart wichtig, dass er im Jahr 1925 aus der Stijl-Gruppe austrat. Streitpunkt war schlicht die Einführung von Diagonalen gewesen, die Doesburg befürwortete, Mondrian hingegen ablehnte. Kurz darauf – im Jahr 1926 – gelingt es Mondrian bei seiner ersten Ausstellung im Brooklyn Museum ein Bild zu verkaufen.

Die Abstraction –Crèation und Auswanderung nach London/Amerika

Nachdem Mondrian sich wegen der Diagonalen mit der >>de Stijl<< Bewegung überworfen hatte, schloss er sich der Pariser Künstlergruppe «Cercle et Carré» (>>Kreis und Quadrat<<) an, die von Torres-Garcia und Michel Seuphor gegründet worden war und sich in Opposition zum Surrealismus nur auf die zwei geometrischen Grundformen Zirkel und Quadrat beschränkte. Weitere Mitglieder waren neben Le Corbusier, Hans Arp und Kurt Schwitters auch Fernand Leger, Wassily Kandinsky und Luigi Russolo. Der Gruppe war – aufgrund längerer Krankheit von Seuphor nur eine recht kurze Lebenszeit von ungefähr einem Jahr beschieden, in dem allerdings eine maßgebliche Ausstellung stattfand.

Im Frühjahr 1930 wurden in der Galerie 23 in der Rue La Boëtie Werke der Gruppenmitglieder ausgestellt – versammelt war hier die Creme de la Creme der abstrakten Kunst. Nach Auflösung von «Cercle et Carré» schloss sich nicht nur Mondrian, sondern auch ein großer Teil der anderen Gruppenmitglieder einer weiteren Gruppe an, der >>Abstraction – Création group<<, die 1931 gegründet wurde. Im Jahr 1934 macht Mondrian Bekanntschaft mit Ben Nicholson und Harry Holtzman. Letzterer wird später sein wichtigster Sammler werden. Als im September 1938 ist Mondrian überzeugt, dass Flugzeuge des faschistischen Nazideutschland Paris bombardieren werden und er emigriert nach London. Als London 1940 von den Faschisten bombardiert wird, wandert Mondrian nach Amerika aus, wo er am 3. Oktober 1940 ankommt. Schon in London hatte sich der Künstler mehr und mehr auf die abstrakten universellen Mittel, also die gerade Linien und die Primärfarben beschränkt, mit denen er die Bildfläche in ein Gitterwerk einteilte, das einerseits die Grenze der einzelnen Rechtecke bestimmte und anderseits die Absonderung der Objekte im Raum verhinderte.

Für Mondrian war das Spannungsverhältnis, das in asketischer Reduktion nur noch aus horizontalen und vertikalen Linien und den Primärfarben Rot, Blau Gelb sowie den Nichtfarben Schwarz und Weiß bestand zu einem Gleichnis für die universelle Harmonie geworden, die er auf alle Lebensbereiche ausweiten wollte. Sein Neoplastizismus dem er Zeit seines Lebens nicht untreu wurde, erfuhr in seinen letzten Lebensjahren in New York noch einmal eine starke rhythmische Dynamisierung, die wunderschön aus den Boogie-Woogie-Bildern strahlt sind, die noch heute im Museum of Modern Art zu besichtigen sind. Am 1. Februar 1944 stirbt Piet Mondrian im Murray Hill Hospital an einer Lungenentzündung. 


Quellen und Weiterführendes

Quellen:

Weiterführend:

mit Blick in das Buch